Die Europäische Kommission hat sich intensiv mit der Anpassung von Sandbox-Aktivitäten beschäftigt, nachdem die dreijährige Laufzeit der Europäischen Blockchain-Sandbox zu Ende gegangen ist. Diese Sandbox wurde im Jahr 2023 ins Leben gerufen, um einen vertrauensvollen Raum für Regulierungsbehörden und Anbieter von Distributed-Ledger-Technologien (DLT) zu schaffen. Ziel war es, rechtliche Unsicherheiten zu verringern und konkrete Anwendungsbeispiele für die Blockchain-Technologie zu identifizieren. Insgesamt wurden 60 private Projekte in drei Kohorten ausgewählt, wobei jährlich 20 Projekte gefördert wurden. Die Berichte über Best Practices, die jeder Kohorte zugrunde liegen, sind ein wertvolles Instrument für die Weiterentwicklung dieser Technologien.
Die Europäische Kommission hat bislang noch keinen Nachfolger für die Europäische Blockchain-Sandbox beschlossen. Derzeit läuft ein Reflexionsprozess, um zukünftige Initiativen zur Unterstützung von Innovationen in verschiedenen Technologiebereichen zu strukturieren. Gefördert wurde die Sandbox durch das EU-Programm Digital Europe und betrieben von der internationalen Kanzlei Bird & Bird sowie deren Beratungsarm OXYGY. Der Bericht zur dritten Kohorte, der am 11. Februar 2023 in einem Webinar vorgestellt wurde, umfasst 234 Seiten und enthält einen 30-seitigen Abstract. Die Projekte dieser Kohorte beinhalteten unter anderem die „OnePass“-Initiative zur Schaffung eines Vertrauensrahmens für grenzüberschreitende Investitionen in Europa, Blocksquare, ein Notarisierungsrahmen für Immobilien, und Charonium, eine Plattform für digitale Erbschaften.
Innovationen und Auszeichnungen
Die Sandbox hat deutlich gemacht, dass das Konzept eines regulatorischen Sandkastens wertvoll ist, um rechtliche Unsicherheiten in neuen Technologien zu verringern. In der dritten Kohorte wurden sieben Regulierungsbehörden mit dem „Most Innovative Regulator Award“ ausgezeichnet, was deren bedeutende Beiträge zu den Projekten unterstreicht. Die Europäische Blockchain-Sandbox wurde im Rahmen des DLT-Pilotregimes der EU entwickelt, das am 23. März 2023 in Kraft trat und damit den rechtlichen Rahmen für die Erprobung neuer Technologien schafft.
Parallel zur Diskussion über die Europäische Blockchain-Sandbox gibt es auch in der Schweiz spannende Entwicklungen im Bereich der Distributed-Ledger-Technologie. Im Jahr 2025 wird das BX Digital DLT-Handelssystem in Betrieb genommen, das als erstes DLT-System für tokenisierte Wertpapiere lizenziert von der FINMA gilt. Dieses System bestätigt den Erfolg des DLT-Rahmenwerks und setzt hohe Standards für Stabilität und Anlegerschutz. Zudem wird der CMTA-Token im selben Jahr eingeführt, der die Tokenisierung von Aktien und Schuldverschreibungen ermöglicht und damit einen Mangel an Standardisierung von Smart Contracts behebt.
Digitale Innovationen im Finanzsektor
Ein weiteres spannendes Projekt ist die digitale CHF-Anleihe, die 2024 von der Weltbank in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und der SIX Digital Exchange (SDX) herausgegeben wird. Diese Anleihe, die über 200 Millionen Schweizer Franken beträgt, ist die erste digitale Anleihe einer internationalen Emittentin in Schweizer Franken, und die Abwicklung erfolgt mit digitaler Zentralbankwährung der SNB. Die SIX Digital Exchange selbst, die bereits 2021 als eine der ersten regulierten Krypto-Börsen weltweit etabliert wurde, bietet eine Plattform für den Handel, die Abwicklung und die Verwahrung tokenisierter Vermögenswerte unter Schweizer Recht.
Zusätzlich erkundet die SNB mit den Projekten Helvetia und Jura seit 2020 die Möglichkeiten von Wholesale-CBDCs (wCBDC) für den sicheren Handel tokenisierter Vermögenswerte, auch über Grenzen hinweg. Diese Projekte zeigen die technische Machbarkeit der Abwicklung tokenisierter Vermögenswerte in Zentralbankgeld und bieten die Möglichkeit zur Integration neuer Technologien in bestehende Finanzmarktinfrastrukturen zur Verbesserung von Effizienz und Sicherheit.
Die Entwicklungen in der Europäischen Blockchain-Sandbox und den Schweizer DLT-Initiativen zeigen eindrucksvoll, wie wichtig es ist, einen rechtlichen Rahmen für neue Technologien zu schaffen. Die Unterstützung von Innovationen und die Schaffung von Vertrauen sind entscheidend, um das volle Potenzial dieser Technologien zu entfalten. Weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen finden Sie in den Berichten der Europäischen Kommission und den Schweizer Finanzbehörden, die die Grundlage für die Zukunft der Blockchain-Technologie bilden.