Heute ist der 15.02.2026 und die steuerliche Landschaft in Europa wird erneut auf die Probe gestellt. Italienische Behörden haben eine neue Steueruntersuchung gegen Amazon eröffnet, die sich auf die steuerlichen Angelegenheiten des Unternehmens in Italien konzentriert. Diese Maßnahme fiel in eine Zeit, in der die regulatorische Aufmerksamkeit auf die europäischen Geschäfte von Amazon zunimmt. Durchsuchungen fanden im Hauptsitz in Mailand sowie bei den Wohnungen von Führungskräften statt, was die Ernsthaftigkeit dieser Untersuchung unterstreicht. Amazon hat die Aktionen als aggressiv und unverhältnismäßig kritisiert und sieht sich nun mit der Frage konfrontiert, ob die EU-Einheit zwischen 2019 und 2024 mehr Einkommen in Italien hätte deklarieren müssen. Ein solches Szenario könnte für das Unternehmen nicht nur zu möglichen Rückforderungen von Steuern, Zinsen oder Strafen führen, sondern auch die Diskussion über die Besteuerung multinationaler Unternehmen maßgeblich beeinflussen.

Die italienische Steuerpolizei, Guardia di Finanza, führte die Durchsuchungen am Donnerstag durch und prüfte dabei auch die Büros der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, die in die Ermittlungen involviert ist. Die Mailänder Staatsanwälte haben ein Verfahren gegen Amazon EU Sarl, ansässig in Luxemburg, und deren Direktorin Barbara Scarafia eröffnet. Der Verdacht: Amazon könnte versäumt haben, Einkommen zu deklarieren, was auf einem 13-seitigen Durchsuchungsbefehl basierte. Die Untersuchung wirft Fragen bezüglich einer möglichen nicht deklarierten, permanenten Niederlassung in Italien auf, die das Unternehmen dazu verpflichtet hätte, höhere Steuern zu zahlen.

Regulatorische Herausforderungen

Diese aktuellen Entwicklungen sind nicht die ersten rechtlichen Auseinandersetzungen für Amazon in Italien. Im Dezember 2024 einigte sich das Unternehmen mit der italienischen Steuerbehörde auf eine Zahlung von 510 Millionen Euro zur Beilegung eines Steuerstreits, bei dem eine Steuerhinterziehung von etwa 1,2 Milliarden Euro für den Zeitraum 2019-2021 vermutet wurde. Zudem gibt es zwei weitere Ermittlungen gegen das Unternehmen, eine zu mutmaßlicher Steuerhinterziehung für 2021-2024 und eine zu mutmaßlichem Zoll- und Steuerbetrug im Zusammenhang mit chinesischen Importen.

Die Intensivierung der Steuerprüfungen in Märkten wie Italien könnte langfristige Margenannahmen von Amazon beeinflussen und die effektive Steuerquote erhöhen. Bei den zusätzlichen Steuerbewertungen wird auch Amazons diversifizierte Einnahmequellen, wie AWS und Werbung, eine Rolle spielen, da diese dem Unternehmen ermöglichen, regulatorische und steuerliche Kosten besser zu absorbieren.

Ein Blick in die Zukunft

In einem sich ständig wandelnden internationalen Steuerrecht, das stark von Globalisierung und neuen regulatorischen Anforderungen geprägt ist, sind Unternehmen gefordert, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Ab 2025 wird die globale Mindeststeuer von 15 % für multinationale Unternehmen in Kraft treten, was die Steuerplanung maßgeblich beeinflussen wird. Staaten müssen sicherstellen, dass diese Mindestbesteuerung für Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 750 Millionen Euro eingehalten wird, was auch Auswirkungen auf die Steuerstrukturierung für Unternehmen wie Amazon haben wird.

Zusätzlich werden neue Regelungen zur Verrechnungspreisdokumentation und die EU-Richtlinie „SAFE“ zur Betrugsbekämpfung dazu führen, dass Unternehmen transparenter agieren müssen und striktere Offenlegungspflichten einhalten sollten. Diese Entwicklungen unterstreichen den Handlungsbedarf für Unternehmen und Steuerberater, die sich frühzeitig auf neue Anforderungen vorbereiten müssen, insbesondere im Hinblick auf digitale Steuerreporting-Pflichten und die Integration neuer Regelungen in ihre Steuerstrategien.

Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung in Italien könnten somit weitreichende Folgen für Amazon und andere multinationale Unternehmen in Europa haben. Beobachtungen zur Höhe der angeblich unterbezahlten Steuern und mögliche ähnliche Fragen in anderen EU-Märkten werden dabei von großer Bedeutung sein. In einem komplexen regulatorischen Umfeld ist es entscheidend, dass Unternehmen ihre Compliance-Ansätze und Risikomanagementstrategien überdenken, um auch in Zukunft erfolgreich agieren zu können.

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